Wetterfühligkeit: Symptome, Ursachen und Migräne
Von der Claru-Redaktion
Dieser Ratgeber dient der Information. Er wurde nicht unabhängig medizinisch geprüft, kann keine Diagnose stellen und ersetzt keine Behandlung durch Ärztinnen oder Ärzte. Mehr dazu in unseren Redaktionsstandards.

Wetterfühligkeit bedeutet, dass sich dein Befinden bei bestimmten Wetterlagen verschlechtert, oft mit Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Gelenkbeschwerden. Sie ist keine eigene Krankheit. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) beschreibt, dass sich ein gesunder Körper meist unbemerkt an Wetteränderungen anpasst, während Menschen mit bestimmten Erkrankungen sie deutlicher spüren können. Für Migräne gibt es Hinweise auf einen Zusammenhang mit Luftdruck und Temperatur, die Studienlage ist aber gemischt, und nicht jeder reagiert gleich.
In diesem Ratgeber erfährst du, welche Symptome typisch sind, was Studien zu Wetter und Kopfschmerzen zeigen und wie du herausfindest, ob das Wetter bei dir wirklich eine Rolle spielt. Er stellt keine Diagnose.
Wetterfühlig oder wetterempfindlich?
Im Alltag werden die Begriffe oft gleich verwendet. Manche unterscheiden so:
- Wetterfühlig: Du spürst Wetterwechsel, etwa als Müdigkeit, Unruhe oder schlechteren Schlaf, ohne dass eine Erkrankung dahintersteckt.
- Wetterempfindlich: Eine bestehende Erkrankung wie Migräne, Rheuma oder Herz-Kreislauf-Beschwerden verstärkt sich bei bestimmten Wetterlagen.
Für dich ist vor allem die zweite Gruppe wichtig, wenn du Migräne hast. Denn dann geht es nicht um ein vages Unwohlsein, sondern um die Frage, ob bestimmte Wetterlagen deine Attacken wahrscheinlicher machen.
Typische Symptome
Menschen, die sich als wetterfühlig beschreiben, nennen häufig:
- Kopfschmerzen und Migräneattacken
- Müdigkeit, Abgeschlagenheit und Konzentrationsprobleme
- Ein- und Durchschlafprobleme
- Kreislaufbeschwerden, etwa Schwindel beim Aufstehen
- Gelenk-, Muskel- oder Narbenschmerzen
- Gereiztheit oder gedrückte Stimmung
Diese Beschwerden sind unspezifisch. Sie können genauso von schlechtem Schlaf, Stress oder einem beginnenden Infekt kommen. Gerade deshalb ist es so schwer, das Wetter als Ursache festzumachen.
Welche Wetterlagen als belastend gelten
Der DWD veröffentlicht täglich Gefahrenindizes für Wetterfühlige, getrennt nach allgemeinen Befindensbeeinträchtigungen, Herz-Kreislauf-, Atemwegs- und rheumatischen Beschwerden. Als besonders belastend stuft er Wetterlagen ein, die durch schnelle oder starke Wetterwechsel oder durch thermische Belastung geprägt sind. Im Alltag sind das zum Beispiel:
| Wetterlage | Was passiert | Häufig berichtete Beschwerden |
|---|---|---|
| Durchzug eines Tiefs | Luftdruck fällt, oft mit Wind und Regen | Kopfschmerzen, Migräne, Müdigkeit |
| Schneller Wetterumschwung | Temperatur und Luftdruck ändern sich innerhalb kurzer Zeit | Kopfschmerzen, Kreislaufprobleme |
| Föhn | Warme, trockene Fallwinde, vor allem im Alpenvorland | Kopfschmerzen, Unruhe, schlechter Schlaf |
| Hitze und Schwüle | Hohe Temperatur, oft hohe Luftfeuchtigkeit | Kopfschmerzen, Erschöpfung, Flüssigkeitsmangel |
Wichtig: Diese Indizes beschreiben die durchschnittliche Wirkung auf eine Gruppe. Ob du persönlich reagierst, sagen sie nicht.
Was Studien zu Wetter und Kopfschmerzen zeigen
Die Forschung ist weniger eindeutig, als viele erwarten. Zwei oft zitierte Studien zeigen, warum:
Luftdruck: In einer Studie der Dokkyo-Universität in Japan führten 28 Menschen mit Migräne ein Jahr lang Kopfschmerztagebuch. Attacken traten häufiger auf, wenn der Luftdruck um mehr als 5 Hektopascal fiel. Bei 18 der 28 Teilnehmenden hing ein Wetterwechsel mit Attacken zusammen, 14 von ihnen nannten niedrigen Luftdruck. Die Gruppe war allerdings klein.
Temperatur: Eine große US-Studie aus Boston wertete über 7.000 Notaufnahme-Besuche wegen Kopfschmerzen aus. Mit jeweils 5 Grad höherer Temperatur in den 24 Stunden davor stieg das Risiko um etwa 7,5 Prozent. Niedriger Luftdruck spielte nur eine kleinere Rolle, und zwar vor allem bei Kopfschmerzen, die keine Migräne waren. Für Luftschadstoffe fanden die Forschenden keinen klaren Zusammenhang.
Das heißt: Wetter kann bei manchen Menschen einer von mehreren Faktoren sein. Es ist aber selten der einzige, und die Effekte sind im Durchschnitt eher klein. Bei Einzelnen können sie deutlich größer sein.
Warum der Zusammenhang so schwer zu erkennen ist
Drei Dinge machen es schwierig, Wetter als Auslöser zu bestätigen:
- Wetter ändert sich ständig. Fast vor jeder Attacke hat sich irgendein Wetterwert verändert. Ohne den Vergleich mit attackenfreien Tagen fühlt sich jeder Zusammenhang richtig an.
- Auslöser wirken zusammen. Hitze bedeutet oft auch schlechteren Schlaf, weniger Trinken und mehr Licht. Eine Attacke nach einem heißen Tag kann also auch andere Gründe haben. Mehr dazu liest du im Ratgeber zu Migräne-Ursachen und Auslösern.
- Erwartung beeinflusst die Wahrnehmung. Wer einen Wetterwechsel erwartet, achtet stärker auf jedes Ziehen im Kopf.
So prüfst du, ob du wirklich wetterfühlig bist
- Führe ein Tagebuch über mindestens zwei bis drei Monate. Notiere Attacken und gute Tage, Schmerzstärke, Schlaf, Mahlzeiten, Stress und Medikamente. Das druckbare Kopfschmerztagebuch hilft dir beim Start.
- Halte Wetterdaten fest. Luftdruck, Temperatur und Luftfeuchtigkeit deines Ortes, idealerweise automatisch, damit du nicht nachtragen musst.
- Vergleiche fair. Zähle, wie oft eine Wetterlage vor Attacken auftrat und wie oft an Tagen ohne Attacke. Erst ein deutlicher Unterschied ist ein Hinweis.
- Achte auf Kombinationen. Vielleicht reagierst du nicht auf Luftdruck allein, sondern auf Luftdruckabfall plus kurze Nacht.
Wie das Wetter in den nächsten Tagen aussieht, zeigt dir die Migräne-Wettervorhersage für deinen Ort.
Was im Alltag hilft
Das Wetter kannst du nicht ändern. Du kannst aber die anderen Belastungen klein halten, damit ein Wetterwechsel weniger ins Gewicht fällt:
- Regelmäßiger Rhythmus: feste Schlaf- und Essenszeiten, auch am Wochenende
- Genug trinken, vor allem an heißen und schwülen Tagen
- Täglich raus: Bewegung an der frischen Luft hilft vielen, sich an wechselnde Bedingungen zu gewöhnen
- Vorausplanen: Wenn ein Wetterumschwung angekündigt ist und du weißt, dass du darauf reagierst, plane Pausen ein und halte deine Akutmedikamente bereit
- Medikamente im Blick behalten: Wer an vielen Tagen Schmerzmittel braucht, riskiert einen Kopfschmerz durch Übergebrauch. Der Medikamenten-Übergebrauch-Check zeigt dir, wo du stehst.
Kopfschmerzen bei Föhn oder Hitze sitzen bei vielen an Stirn und Schläfen. Was hinter Schmerzen an dieser Stelle stecken kann, erklärt der Ratgeber zu Kopfschmerzen an der Schläfe.
Wann du ärztlich abklären lassen solltest
Lass dich untersuchen, wenn deine Kopfschmerzen neu sind, sich verändern, immer häufiger werden oder du an vielen Tagen im Monat Schmerzmittel nimmst. Wähle 112 bei einem plötzlichen, extrem heftigen Kopfschmerz, bei Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen, Verwirrtheit oder Fieber mit steifem Nacken. Das Wetter ist nie eine Erklärung für solche Warnzeichen.
Wie Claru dir beim Wetter-Check hilft
Claru nimmt dir die Arbeit beim Abgleich ab. Du protokollierst Attacken per KI-Spracheingabe in wenigen Sekunden. Die 7-Tage-Risikovorhersage zeigt dir, wann die kommenden Tage für dich belastender sein könnten. Mit Claru Pro verknüpft die App deine Einträge zusätzlich automatisch mit Luftdruck, Temperatur, Luftfeuchtigkeit und Luftqualität und zeigt dir, ob es bei dir einen Zusammenhang gibt und wie deutlich er ist. Für deinen nächsten Arzttermin erstellst du mit Pro einen Arztbericht als PDF. Das sind Beobachtungen, keine Diagnosen. Hier geht es zum Download, mehr zur App findest du auf der Startseite.
Hinweis: kein Ersatz für ärztlichen Rat
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und wurde nicht medizinisch begutachtet. Er ersetzt keine Untersuchung und stellt keine Diagnose oder Therapieempfehlung dar.
Quellen: Deutscher Wetterdienst: Gefahrenindizes für Wetterfühlige und Klima und Gesundheit; Kimoto K. et al. (2011): Influence of barometric pressure in patients with migraine headache. Internal Medicine 50(18), doi:10.2169/internalmedicine.50.5640; Mukamal K.J. et al. (2009): Weather and air pollution as triggers of severe headaches. Neurology 72(10), PMC2677474; Gesundheitsinformation.de des IQWiG zu Migräne; NHS: Migraine; Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (dmkg.de).
Häufige Fragen
- Was ist Wetterfühligkeit?
- Als wetterfühlig bezeichnen sich Menschen, deren Befinden sich bei bestimmten Wetterlagen oder Wetterwechseln verschlechtert, etwa mit Kopfschmerzen, Müdigkeit oder Gelenkbeschwerden. Wetterfühligkeit ist keine eigene Krankheit. Der Deutsche Wetterdienst beschreibt, dass der gesunde Körper sich meist unbemerkt anpasst, während Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen Wetterwechsel stärker spüren können.
- Welche Symptome hat Wetterfühligkeit?
- Häufig genannt werden Kopfschmerzen und Migräne, Müdigkeit, Schlafprobleme, Konzentrationsschwäche, Kreislaufbeschwerden und Gelenk- oder Narbenschmerzen. Die Beschwerden sind individuell und lassen sich nicht sicher einem einzelnen Wetterfaktor zuordnen.
- Kann Wetter Migräne auslösen?
- Viele Menschen mit Migräne nennen das Wetter als Auslöser, die Studienlage ist aber gemischt. In einer japanischen Tagebuchstudie hingen bei 18 von 28 Teilnehmenden Wetterwechsel mit Attacken zusammen, vor allem ein Luftdruckabfall. Eine große US-Studie fand ein leicht erhöhtes Kopfschmerzrisiko an wärmeren Tagen. Ob Wetter bei dir eine Rolle spielt, zeigt nur ein Abgleich über mehrere Monate.
- Welches Wetter löst am häufigsten Kopfschmerzen aus?
- Am häufigsten genannt werden fallender Luftdruck vor einem Tiefdruckgebiet, schnelle Wetterumschwünge, Föhn, Hitze und schwüle Luft. Der Deutsche Wetterdienst stuft schnelle oder starke Wetterwechsel und thermische Belastung als besonders belastend für Wetterfühlige ein.
- Was hilft gegen Wetterfühligkeit?
- Gegen das Wetter selbst kannst du nichts tun, wohl aber gegen zusätzliche Belastungen: regelmäßig schlafen und essen, genug trinken, sich täglich draußen bewegen und an belastenden Tagen Pausen einplanen. Wenn du Migräne hast, hilft ein Blick auf die Vorhersage, um Medikamente griffbereit zu haben und den Tag entsprechend zu planen.
- Wie finde ich heraus, ob ich wirklich wetterfühlig bin?
- Führe über mindestens zwei bis drei Monate ein Tagebuch mit guten und schlechten Tagen und vergleiche es mit den Wetterdaten deines Ortes. Erst wenn Beschwerden bei einer bestimmten Wetterlage deutlich häufiger auftreten als an anderen Tagen, spricht das für einen Zusammenhang.