Migräne: Ursachen und Auslöser einfach erklärt
Von der Claru-Redaktion
Dieser Ratgeber dient der Information. Er wurde nicht unabhängig medizinisch geprüft, kann keine Diagnose stellen und ersetzt keine Behandlung durch Ärztinnen oder Ärzte. Mehr dazu in unseren Redaktionsstandards.

Die genaue Ursache von Migräne ist bis heute nicht vollständig geklärt. Nach heutigem Verständnis reagiert das Nervensystem von Menschen mit Migräne empfindlicher auf Reize, und diese Veranlagung wird oft vererbt. Bei einer Attacke werden Nerven und Blutgefäße im Kopf aktiviert. Auslöser wie Schlafmangel, Stress oder hormonelle Schwankungen verursachen die Migräne nicht, sie können aber eine einzelne Attacke wahrscheinlicher machen.
Diese Unterscheidung zwischen Ursache und Auslöser hilft dir im Alltag: Die Veranlagung kannst du nicht ändern, deine Auslöser aber oft besser kennenlernen. Dieser Ratgeber erklärt beides und zeigt, wie du deine eigenen Muster findest. Er stellt keine Diagnose.
Ursache und Auslöser: zwei verschiedene Dinge
| Ursache (Veranlagung) | Auslöser (Trigger) | |
|---|---|---|
| Was ist gemeint? | Warum jemand überhaupt Migräne bekommt | Was eine einzelne Attacke wahrscheinlicher macht |
| Beispiele | Erbliche Veranlagung, empfindliche Reizverarbeitung im Gehirn | Schlafmangel, Stress, ausgelassene Mahlzeiten, Periode |
| Beeinflussbar? | Kaum | Teilweise, je nach Auslöser |
| Was hilft? | Ärztliche Behandlung, eventuell Vorbeugung | Muster erkennen, Rhythmus stabilisieren |
Wichtig: Nicht jede Attacke hat einen erkennbaren Auslöser. Und ein Auslöser führt nicht jedes Mal zu einer Attacke.
Was im Gehirn passiert
Der NHS beschreibt Migräne als Folge von Veränderungen an Nerven und Blutgefäßen im Gehirn. Im Zentrum steht das sogenannte trigeminovaskuläre System: Der Trigeminusnerv versorgt große Teile von Kopf und Gesicht. Wird er während einer Attacke aktiviert, setzen seine Nervenenden Botenstoffe frei, darunter das Eiweiß CGRP. Diese Botenstoffe tragen zu Entzündungsreaktionen an Blutgefäßen der Hirnhäute und zur Schmerzweiterleitung bei. Mehrere neuere Migränemedikamente setzen genau an CGRP an.
Auch die Verarbeitung von Reizen spielt eine Rolle. Gesundheitsinformation.de des IQWiG beschreibt, dass möglicherweise von Bedeutung ist, wie Schmerzsignale im Gehirn verarbeitet werden. Das erklärt, warum Licht, Lärm oder Gerüche während einer Attacke so belastend sein können.
Bei einem Teil der Betroffenen kommt vor dem Kopfschmerz eine Aura mit Sehstörungen, Kribbeln oder Sprachproblemen. Dahinter steht vermutlich eine Welle veränderter Nervenaktivität, die sich langsam über die Hirnrinde ausbreitet. Mehr dazu liest du im Ratgeber zur Migräne mit Aura.
Gene und Familie
Migräne tritt in Familien gehäuft auf. Laut NHS ist die Wahrscheinlichkeit höher, wenn ein naher Verwandter betroffen ist. In den meisten Fällen wirken viele Gene zusammen, jedes mit einem kleinen Effekt. Nur bei seltenen Sonderformen wie der familiären hemiplegischen Migräne ist ein einzelnes Gen ausschlaggebend.
Hormone: warum Frauen häufiger betroffen sind
Laut Gesundheitsinformation.de haben etwa 14 von 100 Frauen und 7 von 100 Männern wiederkehrend Migräne. Ein Grund sind hormonelle Schwankungen. Viele Frauen erleben Attacken kurz vor oder während der Periode, wenn der Östrogenspiegel sinkt. Der NHS beschreibt solche menstruellen Attacken als oft länger und stärker. In der Schwangerschaft und nach den Wechseljahren bessert sich Migräne bei vielen.
Häufige Auslöser im Überblick
Der NHS, die American Migraine Foundation und Gesundheitsinformation.de nennen unter anderem diese Auslöser:
- Stress und die Zeit danach: Hektische Tage ohne Pausen, aber auch das Wochenende oder der erste Urlaubstag, wenn die Anspannung nachlässt.
- Schlaf: Zu wenig, zu viel oder unregelmäßig, etwa Ausschlafen am Wochenende.
- Mahlzeiten und Trinken: Ausgelassene oder unregelmäßige Mahlzeiten und zu wenig Flüssigkeit.
- Koffein: Zu viel, aber auch weniger als gewohnt. Wie dein Konsum aussieht, prüfst du mit dem Koffein-Rechner.
- Alkohol: Viele nennen vor allem Rotwein, laut American Migraine Foundation kommen andere Alkoholsorten aber genauso infrage.
- Sinnesreize: Helles oder flackerndes Licht, Lärm, starke Gerüche.
- Hormone: Periode, hormonelle Verhütung oder Hormontherapie.
- Wetter: Luftdruckwechsel, Hitze oder hohe Luftfeuchtigkeit werden oft genannt, die Studienlage ist aber gemischt.
Ob Wetter bei dir eine Rolle spielt, kannst du mit der Migräne-Wettervorhersage im Blick behalten.
Warum Auslöser oft täuschen
Zwei Effekte machen die Suche nach Auslösern schwierig. Erstens die Vorboten: Viele Menschen haben Stunden bis zwei Tage vor dem Kopfschmerz Heißhunger, Müdigkeit, Gähnen oder Stimmungsschwankungen. Wer in dieser Phase Schokolade isst und danach eine Attacke bekommt, hält die Schokolade leicht für den Auslöser, obwohl der Heißhunger schon zur Attacke gehörte.
Zweitens wirken Auslöser oft zusammen. Eine kurze Nacht allein ist vielleicht kein Problem. Kommen ein ausgelassenes Mittagessen, Stress und ein Wetterumschwung dazu, wird eine Attacke wahrscheinlicher. Deshalb lohnt es sich, nicht nach dem einen Schuldigen zu suchen, sondern nach Kombinationen.
Medikamente als Verstärker
Wer Schmerz- oder Migränemittel sehr häufig nimmt, kann zusätzlich einen Kopfschmerz durch Medikamentenübergebrauch entwickeln. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt, einfache Schmerzmittel an höchstens 15 Tagen und Triptane an höchstens 10 Tagen im Monat zu nehmen. Mit dem Medikamenten-Übergebrauch-Check kannst du überschlagen, wo du stehst. Sprich bei häufigem Bedarf mit deiner Ärztin oder deinem Arzt über eine Vorbeugung.
So findest du deine eigenen Auslöser
- Führe ein Tagebuch über mindestens vier bis acht Wochen, am besten mit dem druckbaren Kopfschmerztagebuch oder einer App.
- Notiere auch gute Tage. Nur so siehst du, ob ein Faktor vor Attacken wirklich häufiger auftaucht.
- Halte die Vorboten fest, damit du sie nicht mit Auslösern verwechselst.
- Ändere nur eine Sache auf einmal, zum Beispiel feste Schlafzeiten, und beobachte einige Wochen.
- Bring deine Notizen mit in die Praxis. Dort lässt sich klären, ob es sich um Migräne handelt und welche Behandlung passt.
Wenn du noch unsicher bist, ob deine Kopfschmerzen überhaupt zu Migräne passen, hilft dir der Vergleich Migräne oder Kopfschmerz beim Sortieren. Schmerzen an bestimmten Stellen erklären die Ratgeber zu Kopfschmerzen an der Schläfe und hinter den Augen.
Wann du ärztlich abklären lassen solltest
Lass dich untersuchen, wenn deine Kopfschmerzen neu sind oder sich verändern, immer häufiger werden oder du Schmerzmittel an vielen Tagen im Monat brauchst. Wähle 112 bei einem plötzlichen, extrem heftigen Kopfschmerz, bei Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen, die nicht wie deine gewohnte Aura nach spätestens einer Stunde abklingen, bei Verwirrtheit oder Fieber mit Nackensteifigkeit.
Wie Claru dir beim Mustererkennen hilft
Ein Tagebuch funktioniert nur, wenn du es auch an schlechten Tagen führst. Claru macht das leichter: Mit der KI-Spracheingabe sprichst du ein, was los ist, und die App sortiert es. Die Mustererkennung vergleicht Attacken mit Schlaf, Mahlzeiten, Stress und weiteren Faktoren und zeigt dir mögliche Zusammenhänge. Die kostenlose 7-Tage-Risikovorhersage gibt dir eine Orientierung für die kommenden Tage. Mit Claru Pro siehst du zusätzlich Zusammenhänge mit Wetter und Luftqualität und erstellst einen Arztbericht als PDF. Das sind Beobachtungen, keine Diagnosen. Hier geht es zum Download, mehr zur App findest du auf der Startseite.
Hinweis: kein Ersatz für ärztlichen Rat
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und wurde nicht medizinisch begutachtet. Er ersetzt keine Untersuchung und stellt keine Diagnose oder Therapieempfehlung dar.
Quellen: Internationale Klassifikation der Kopfschmerzerkrankungen, 3. Auflage (ICHD-3: Abschnitte 1.1, 1.2 und 8.2) unter ichd-3.org; Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (dmkg.de); Gesundheitsinformation.de des IQWiG zu Migräne; NHS: Migraine; American Migraine Foundation: Top 10 Migraine Triggers und What is Migraine?.
Häufige Fragen
- Was ist die Ursache von Migräne?
- Die genaue Ursache ist nicht vollständig geklärt. Nach heutigem Verständnis reagiert das Nervensystem von Menschen mit Migräne empfindlicher auf Reize. Bei einer Attacke werden Nerven und Blutgefäße im Kopf aktiviert und Botenstoffe wie CGRP freigesetzt. Die Veranlagung wird oft vererbt.
- Was ist der Unterschied zwischen Ursache und Auslöser?
- Die Ursache ist die Veranlagung, also warum jemand überhaupt Migräne bekommt. Ein Auslöser, auch Trigger genannt, ist ein Faktor, der bei dieser Veranlagung eine einzelne Attacke wahrscheinlicher machen kann, etwa wenig Schlaf, Stress oder ausgelassene Mahlzeiten.
- Welche Migräne-Auslöser sind am häufigsten?
- Häufig genannt werden Stress und auch die Entspannung danach, unregelmäßiger Schlaf, ausgelassene Mahlzeiten, zu wenig Trinken, hormonelle Schwankungen rund um die Periode, Alkohol, Veränderungen beim Koffein sowie helles Licht, Lärm oder starke Gerüche. Jeder Mensch reagiert anders.
- Ist Migräne erblich?
- Migräne tritt in Familien gehäuft auf. Der NHS beschreibt, dass das Risiko steigt, wenn ein naher Verwandter Migräne hat. Das heißt nicht, dass Kinder von Betroffenen sicher Migräne bekommen.
- Kann Wetter Migräne auslösen?
- Viele Menschen mit Migräne berichten von Wetterfühligkeit, zum Beispiel bei Luftdruckwechseln oder Hitze. Die Studienlage ist gemischt. Ob das Wetter bei dir eine Rolle spielt, zeigt am ehesten ein Vergleich deiner Attacken mit den Wetterdaten über mehrere Monate.
- Wie finde ich meine persönlichen Migräne-Auslöser?
- Führe einige Wochen lang ein Migräne-Tagebuch mit Attacken und attackenfreien Tagen. Notiere Schlaf, Mahlzeiten, Stress, Zyklus, Koffein, Alkohol und Medikamente. Wichtig ist der Vergleich: Ein Faktor zählt erst, wenn er vor Attacken deutlich häufiger auftaucht als an guten Tagen.