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Kopfschmerzen an der Schläfe: Ursachen & Hilfe

Von der Claru-Redaktion

Dieser Ratgeber dient der Information. Er wurde nicht unabhängig medizinisch geprüft, kann keine Diagnose stellen und ersetzt keine Behandlung durch Ärztinnen oder Ärzte. Mehr dazu in unseren Redaktionsstandards.

Frau drückt die Finger gegen ihre rechte Schläfe und schließt die Augen

Kopfschmerzen an der Schläfe gehen meist auf Spannungskopfschmerzen oder eine Migräne zurück. Seltener stecken Clusterkopfschmerz, Beschwerden des Kiefergelenks oder müde Augen dahinter. Eine wichtige Ausnahme betrifft Menschen über 50: Neue Schläfenschmerzen mit empfindlicher Kopfhaut oder Sehstörungen können auf eine Entzündung der Schläfenarterie hinweisen und müssen am selben Tag ärztlich angeschaut werden.

Der Ort des Schmerzes allein verrät die Ursache noch nicht. Hilfreicher ist die Kombination: Wie fühlt sich der Schmerz an, auf welcher Seite sitzt er, wie lange dauert er und was kommt dazu? Dieser Ratgeber hilft dir, dein Muster zu beschreiben. Er stellt keine Diagnose.

Überblick: Welche Ursache passt zu welchem Muster?

FormTypisches Muster an der SchläfeMögliche Begleiter
SpannungskopfschmerzDrückend, beidseitig, wie ein Band um Stirn und SchläfenVerspannter Nacken, Stress, lange Bildschirmzeit
MigräneOft einseitig, pochend, verstärkt sich bei Bewegung, 4 bis 72 StundenÜbelkeit, Licht- und Lärmempfindlichkeit, manchmal Aura
ClusterkopfschmerzExtrem stark, einseitig um Auge und Schläfe, 15 bis 180 MinutenTränendes, gerötetes Auge, laufende Nase, Unruhe
Kiefergelenk (CMD)Dumpf, oft einseitig, schlimmer beim Kauen oder morgensKnacken im Kiefer, Zähneknirschen, Ohrenschmerzen
RiesenzellarteriitisNeu, anhaltend, Schläfe berührungsempfindlich, meist ab 50Kauschmerz, Sehstörungen, Abgeschlagenheit

Die Beschreibungen orientieren sich an der internationalen Klassifikation der Kopfschmerzerkrankungen (ICHD-3) und an Patienteninformationen des NHS. Im Alltag überschneiden sich die Formen oft.

Spannungskopfschmerz: Druck an beiden Schläfen

Der Spannungskopfschmerz ist die häufigste Kopfschmerzform. Nach ICHD-3 ist er typischerweise beidseitig, drückend oder ziehend und leicht bis mittelstark. Viele beschreiben ein Band, das sich um Stirn und Schläfen legt. Treppensteigen oder Gehen verstärkt ihn meist nicht, und Übelkeit gehört nicht zum typischen Bild.

Als mögliche Einflüsse nennen Gesundheitsinformationen unter anderem Stress, wenig Schlaf, lange Bildschirmarbeit ohne Pausen und eine angespannte Haltung. Das sind Hinweise, keine Beweise. Mehr dazu, wie dieser Kopfschmerz auch am Hinterkopf auftreten kann, findest du im Ratgeber zu Kopfschmerzen im Hinterkopf.

Migräne: einseitig und pochend

Migräne beginnt oft an einer Schläfe oder rund um ein Auge. Typisch sind nach ICHD-3 Attacken von 4 bis 72 Stunden mit mäßigen bis starken, häufig pulsierenden Schmerzen, die sich bei Alltagsbewegung verstärken. Dazu kommen Übelkeit oder eine starke Empfindlichkeit gegenüber Licht und Lärm. Die Seite kann von Attacke zu Attacke wechseln.

Manche Menschen erleben vor dem Kopfschmerz eine Aura mit Flimmern oder Zickzacklinien. Wie das aussieht, erklären die Ratgeber zur Migräne mit Aura und zur Augenmigräne. Wenn du unsicher bist, ob dein Kopfschmerz eher zu Migräne oder Spannungskopfschmerz passt, kann dir der Vergleich Migräne oder Kopfschmerz helfen, deine Beobachtungen zu sortieren.

Clusterkopfschmerz: kurz, extrem und um das Auge

Clusterkopfschmerz ist selten, aber sehr heftig. Der NHS beschreibt einen scharfen, brennenden oder bohrenden Schmerz auf einer Kopfseite rund um das Auge, der 15 Minuten bis 3 Stunden dauert und oft zu festen Tageszeiten wiederkommt. Auf derselben Seite können das Auge tränen und sich röten, das Lid hängen und die Nase laufen. Viele Betroffene laufen während der Attacke unruhig umher, statt sich hinzulegen.

Wenn das auf dich zutrifft, sprich mit einer neurologischen Praxis. Clusterkopfschmerz wird anders behandelt als Migräne.

Kiefergelenk und Zähneknirschen

Die Kaumuskeln setzen direkt an der Schläfe an. Bei Beschwerden des Kiefergelenks und der Kaumuskulatur, oft als CMD bezeichnet, nennt der NHS Schmerzen rund um Kiefer, Ohr und Schläfe, ein Klicken oder Knacken beim Öffnen des Mundes und Kopfschmerzen. Wer nachts mit den Zähnen knirscht oder tagsüber unter Stress die Zähne zusammenbeißt, wacht manchmal schon mit Druck an den Schläfen auf.

Hier sind Zahnarztpraxen eine gute erste Anlaufstelle. Wenn deine Kopfschmerzen vor allem morgens auftreten, lies auch unseren Ratgeber zu Kopfschmerzen am Morgen.

Augen, Bildschirm und Alltag

Langes Arbeiten am Bildschirm kann die Augen ermüden. Die American Academy of Ophthalmology nennt als typische Folgen trockene, müde Augen und verschwommenes Sehen. Viele spüren dazu einen Druck an Stirn und Schläfen. Regelmäßige Pausen, bewusstes Blinzeln und ein passender Abstand zum Bildschirm sind einfache erste Schritte. Ändert sich deine Sehschärfe oder bleibt der Druck, lohnt ein Termin in der augenärztlichen Praxis.

Weitere Alltagsfaktoren, die Kopfschmerzen an der Schläfe begleiten können:

  • zu wenig getrunken oder Mahlzeiten ausgelassen
  • unregelmäßiger oder zu kurzer Schlaf
  • mehr oder weniger Kaffee als gewohnt, mehr dazu im Koffein-Rechner
  • häufige Einnahme von Schmerzmitteln

Der letzte Punkt ist wichtig. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) empfiehlt, einfache Schmerzmittel an höchstens 15 Tagen und Triptane an höchstens 10 Tagen im Monat einzunehmen. Ob du in diesen Bereich kommst, kannst du mit dem Medikamenten-Übergebrauch-Check überschlagen.

Riesenzellarteriitis: das Warnzeichen ab 50

Bei der Riesenzellarteriitis, auch Arteriitis temporalis genannt, entzünden sich Blutgefäße, unter anderem die Schläfenarterie. Der NHS nennt als Hauptsymptome häufige, starke Kopfschmerzen, Schmerzen oder Berührungsempfindlichkeit an Schläfe oder Kopfhaut, Kieferschmerzen beim Essen oder Sprechen und Sehstörungen bis hin zum Sehverlust. Dazu kommen oft Müdigkeit und grippeähnliche Beschwerden. Die Erkrankung betrifft fast nur Menschen über 50.

Sie kann unbehandelt zu Erblindung oder Schlaganfall führen. Wenn du über 50 bist und neue Schläfenschmerzen mit diesen Begleitern bemerkst, lass dich noch am selben Tag ärztlich untersuchen. Bei Sehstörungen gehört das sofort in eine Notaufnahme oder Augenklinik.

Was dir im Alltag helfen kann

Diese Anregungen ersetzen keine Behandlung, werden aber von vielen als hilfreich beschrieben:

  1. Pause und Ruhe: Leg das Handy weg, schau in die Ferne oder schließ für einige Minuten die Augen.
  2. Trinken und essen: Ein Glas Wasser und eine kleine Mahlzeit, wenn du länger nichts hattest.
  3. Sanfte Massage: Kreisende Bewegungen an den Schläfen oder am Kiefermuskel. Unsere Übersicht der Akupressurpunkte zeigt weitere Stellen.
  4. Kühlen oder wärmen: Ein kühles Tuch auf Stirn und Schläfen oder Wärme im Nacken, je nachdem, was sich besser anfühlt.
  5. Medikamente mit Bedacht: Frag in der Apotheke, was für dich geeignet ist, und halte die Dosierung ein.

Wann du ärztlich abklären lassen solltest

Lass Schläfenkopfschmerzen zeitnah untersuchen, wenn sie neu sind oder sich anders anfühlen als sonst, über Wochen häufiger werden, dich nachts wecken oder du regelmäßig Schmerzmittel brauchst.

Notfall: Wähle 112, wenn der Schmerz plötzlich und extrem heftig einsetzt, bei Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen, Verwirrtheit, einem Krampfanfall, Fieber mit Nackensteifigkeit oder nach einer Kopfverletzung. Bei nicht lebensbedrohlichen Beschwerden außerhalb der Sprechzeiten erreichst du den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117.

So beschreibst du dein Muster

Je genauer du deine Kopfschmerzen beschreiben kannst, desto leichter fällt die Einordnung in der Praxis. Mit der Kopfschmerz-Lokalisationskarte markierst du die Stelle. Im druckbaren Kopfschmerztagebuch hältst du Beginn, Dauer, Stärke und Begleiter fest. Wenn Druck auch hinter den Augen sitzt, lies weiter bei Kopfschmerzen hinter den Augen.

Claru macht das Festhalten leichter: Mit der KI-Spracheingabe sprichst du eine Attacke einfach ein, auch wenn dir das Tippen schwerfällt. Die Mustererkennung zeigt mit der Zeit mögliche Zusammenhänge mit Schlaf, Mahlzeiten oder Wetter, und die kostenlose 7-Tage-Risikovorhersage gibt dir eine Orientierung für die kommenden Tage. Für den Arzttermin erstellst du mit Claru Pro einen Bericht als PDF. Das sind Beobachtungen, keine Diagnosen. Hier geht es zum Download, mehr zur App findest du auf der Startseite.

Hinweis: kein Ersatz für ärztlichen Rat

Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und wurde nicht medizinisch begutachtet. Er ersetzt keine Untersuchung und stellt keine Diagnose oder Therapieempfehlung dar. Wenn du unsicher bist oder sich deine Beschwerden verändern, sprich mit deiner Hausarztpraxis oder einer neurologischen Praxis.


Quellen: Internationale Klassifikation der Kopfschmerzerkrankungen, 3. Auflage (ICHD-3: Abschnitte 1.1, 2 und 3.1) unter ichd-3.org; Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (dmkg.de); Gesundheitsinformation.de des IQWiG zu Spannungskopfschmerzen und Migräne; NHS: Temporal arteritis, Cluster headaches, Temporomandibular disorder und Tension-type headaches; American Academy of Ophthalmology: Computers, Digital Devices and Eye Strain.

Häufige Fragen

Was ist die häufigste Ursache für Kopfschmerzen an den Schläfen?
Meist steckt ein Spannungskopfschmerz dahinter. Er drückt typischerweise auf beiden Seiten, oft an Stirn und Schläfen, und ist leicht bis mittelstark. Auch Migräne beginnt häufig an einer Schläfe. Welche Form bei dir vorliegt, kann nur eine Ärztin oder ein Arzt einordnen.
Was bedeutet ein pochender Schmerz an nur einer Schläfe?
Ein einseitiger, pochender Schmerz, der sich bei Bewegung verstärkt und mit Übelkeit oder Lichtempfindlichkeit einhergeht, passt zum typischen Bild einer Migräne. Ein extrem starker Schmerz rund um Auge und Schläfe mit tränendem Auge kann auf Clusterkopfschmerz hindeuten. Beides gehört ärztlich abgeklärt.
Können Kieferprobleme Schläfenkopfschmerzen auslösen?
Ja. Bei Beschwerden des Kiefergelenks und der Kaumuskeln (CMD) können Schmerzen an Kiefer, Ohr und Schläfe auftreten, oft zusammen mit Knacken beim Kauen. Nächtliches Zähneknirschen ist ein häufiger Begleiter. Zahnärztliche oder kieferorthopädische Praxen helfen hier weiter.
Wann sind Kopfschmerzen an der Schläfe ein Notfall?
Ruf 112, wenn der Schmerz plötzlich und extrem heftig einsetzt oder Lähmungen, Sprach- oder Sehstörungen, Verwirrtheit oder Fieber mit Nackensteifigkeit dazukommen. Bist du über 50 und hast neue Schläfenschmerzen mit empfindlicher Kopfhaut, Kauschmerz oder Sehstörungen, lass dich noch am selben Tag untersuchen.
Was hilft schnell gegen Druck an den Schläfen?
Viele empfinden eine Pause, frische Luft, ausreichend Trinken, eine sanfte Massage der Schläfen oder einen kühlen Lappen als angenehm. Rezeptfreie Schmerzmittel solltest du nur nach Packungsbeilage und nicht an mehr als 10 bis 15 Tagen im Monat einnehmen.
Wie finde ich heraus, woher meine Schläfenkopfschmerzen kommen?
Notiere einige Wochen lang Beginn, Dauer, Seite, Schmerzart, Begleiter, Schlaf, Bildschirmzeit, Mahlzeiten und Medikamente. So erkennst du mögliche Muster und kannst sie in der Praxis konkret beschreiben.